In der Woche vom 21. bis 27. September 2009 besuchten insgesamt über 400 Experten, Anwender und interessierte Neueinsteiger die vielfältigen Angebote der Veranstaltungswoche DAISY2009 in der Buch- und Medienstadt Leipzig. Die DZB Leipzig wurde für die Organisation dieses Events als »Ausgewählter Ort« von der Standortinitiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet.
Arbeitstreffen von Gremien und Organisationen, Diskussionsveranstaltungen, eine Hilfsmittelausstellung, 20 nationale und 50 internationale Fachvorträge boten einen breiten Überblick über die sich weltweit vollziehenden Entwicklungen der DAISY-Technologien.
Fazit ist, DAISY löst nicht nur im kommenden Jahr die Tonkassette in den deutschen Hörbüchereien ab. In der Weiterentwicklung liegen große Chancen für den Massenmarkt, Bücher- und Zeitschrifteninhalte für jedermann barrierefrei zugänglich zu machen. An der umfassenden Dokumentation der Veranstaltungen wird derzeit gearbeitet, weitere Informationen unter: www.daisy2009.de.
George Kerscher, Geschäftsführer des DAISY-Konsortiums, und Markus Gylling, Cheftechnologe, präsentieren am letzten Konferenztag die ehrgeizige Roadmap zukünftiger DAISY-Anwendungen. An einer Weiterentwicklung des Standards wird gearbeitet, in dem neben Text- und Audio- auch Videoinhalte angeboten werden. Hiroshi Kawamura, Präsident des Konsortiums, beschreibt in seinem einführenden Vortrag die Vision, durch die Einbindung von Gebärdensprachvideos auch gehörlosen und ertaubten Menschen einen verbesserten Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Längst verwenden Bibliotheken in den skandinavischen Ländern, Großbritannien und in den USA das DAISY-Format, um Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwächen (Legastheniker) mit multimedialen Leseangeboten zu unterstützen. Damit DAISY in der Schule und in der Universität breitere Anwendung finden kann, werden nicht nur die Einbindung von mathematischen Formeln und grafischen Darstellungen vorangetrieben sondern auch die Integration von Interaktion-Features in das voraussichtlich im Sommer kommenden Jahres vorgestellte DAISY V. 4 Format.
Die DAISY Roadmap 2009 nennt ein weiteres Ziel, die Entwicklungen des in der Verlagsbranche verwendeten EPUB-Formates mit DAISY weiter zu harmonisieren und damit das unmittelbare barrierefreie Publizieren von Literatur zu ermöglichen. EPUB findet wachsende Anwendung im Bereich des sich stark entwickelnden E-Book-Marktes. Dank der langfristigen Arbeit des DAISY-Konsortiums sind bereits wichtige Entwicklungen wie Navigationskonzept und Textstrukturierung in diese neue Technologie des Massenmarktes eingeflossen. Wer heute EPUB benutzt, hat bereits DAISY an Bord.
Neben der Zusammenarbeit des Konsortiums auf technischem Gebiet, bietet die Aufgabe der Errichtung einer globalen Bibliothek für alle Lesebehinderten der Welt zahlreiche neue Gesichtspunkte einer Kooperation mit der Verlagsbranche. In Fragen des Urheberrechtes und des Schutzes der Interessen der Autoren, Verlage und Verbreiter von Informationen zeichnet sich eine Lösung ab, die den Austausch von Buchinhalten zwischen autorisierten Blindenbüchereien weltweit ermöglichen kann und dabei sicherstellt, dass das Ausnahmerecht auf Zugang zu Informationen für Menschen mit Leseeinschränkungen bestehen bleibt. Zum Stand der Diskussion findet der interessierte Leser weitere Informationen in englischer Sprache auf: www.visionip.org.

Nur auf einige der im Rahmen von DAISY2009 gehaltenen internationalen Fachvorträge soll hier kurz eingegangen werden. John Gardner, blinder IT-Firmengründer und Professor für Physik aus den USA, präsentierte die ersten Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojektes mit der amerikanischen Physikervereinigung, Inhalte wissenschaftlicher Zeitschriftenartikel im DAISY-Format anzubieten. Dabei steht das Thema Wiedergabe von mathematischen Ausdrücken, Tabellen und grafischer Abbildungen im Vordergrund. Christian Egli von der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte erläuterte seine Softwarebibliothek LIBLOUIS zur Übersetzung von DAISY-Texten in die Brailleschrift. Auch die DZB stellte neue Vorhaben im Bereich der Fach- und Sachbuchaufbereitung vor, die großes Interesse beim internationalen Publikum fanden. Ganz praktisch wurde es im Vortrag von Katharina Eberenz, die über die erfolgreiche Einführung der Argon DAISY Edition berichtete und neue Titel präsentierte. Hansjörg Lienert und Werner Hubert zeigten auf, wie einfach es ist, aus einem am Computer geschriebenen Text ein DAISY-Buch zu erstellen.
Ein Schwerpunkt vieler Vorträge bildeten die zukünftig online verfügbaren DAISY-Inhalte. Die Gerätehersteller machten deutlich, die entsprechenden Player sind da und so ist es nur eine Frage der Zeit, dass Bücher und Zeitschriften direkt über das Internet zu hören (Streaming) oder herunter zu laden (Download) sind. In den praktischen Vorführungen während der Veranstaltungen zeigte sich, dass eine leistungsfähige Internetverbindung und ein ausgereiftes Bedienkonzept entscheidende Grundlagen dafür sind, diese neuen Wege zu gehen. Neue Abspielgeräte wie PTN2, PTX1, Booksense und Tomboy fanden reichlich Nachfrage bei den Hilfsmittelanbietern. Bei diesen Geräten schreitet der Grad der Komplexität voran und so ist es kein wunder, dass die Geräteentwickler von Humanware und Plextalk jetzt so genannte Abdeckhauben anbieten, mit denen der Funktionsumfang des DAISY-Spielers auf die einfachsten Funktionen begrenzt werden kann. Dies hilft Neueinsteigern und denen, die einfach nur ein Buch hören wollen, ohne sich mit den reichlichen Funktionen zum blättern und stöbern auseinandersetzen zu müssen.
Elke Dittmer, Vorsitzende der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen (MEDIBUS), fasste während der Abschlussveranstaltung die Eindrücke aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ereignisreichen Woche in einem Zitat zusammen, das sie aus dem Vortrag indischer Kollegen übernommen hatte. Der Ruf „Long live DAISY, long live network“ löste hohe Begeisterung bei den Zuhörern aus. Der Funke sprang über und ist den Akteuren Motivation und Inspiration für ihre weitere Arbeit.
