Gleichstellungsgesetz - Aufgaben der DZB im Medienzeitalter

Diskussionsveranstaltung am 14. Mai 2002

Einführungsvortrag von Dr. Thomas Kahlisch, Direktor DZB Leipzig

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit dem 1. Mai 2002 gilt das Bundesgleichstellungsgesetz. In Sachsen wird an einem Gesetz zur Förderung der Integration Behinderter gearbeitet. Ein Schwerpunkt bei der Gleichstellung Behinderter ist für blinde und sehbehinderte Menschen die Gestaltung barrierefreier Informationszugänge. Welche speziellen Aufgaben dabei die DZB hat, ist Gegenstand der heutigen Diskussionsveranstaltung.

In Sachsen leben etwa 33.000 blinde oder sehbehinderte Menschen. Sie wollten erst alle zu dieser Veranstaltung kommen, haben sich dann aber doch dazu entschlossen, nur eine Anzahl von Teilnehmern zu entsenden, die diesem Raum hier besser entspricht. Vielen Dank für Ihr zahlreiches Kommen. Es zeigt mir, wie groß Ihr Interesse an der hier geleisteten Arbeit ist.

Für die Gäste, die mit dem Thema Blindheit nicht so vertraut sind, möchte ich zu Beginn meiner Ausführungen das Problemfeld - oder ich würde es lieber die Herausforderung bzw. Motivation nennen - beschreiben. Nach diesen einführenden Bemerkungen, berichte ich Ihnen über die Arbeit der DZB, stelle die Entwicklungsziele des Hauses vor und werde am Schluss konkrete Projekte und Initiativen zu deren Umsetzung benennen, die dieses Haus fit für das Medienzeitalter machen werden.

Motivation

Die folgenden Zahlen belegen eindrucksvoll den akuten Mangel an Literatur- und barrierefreien Informationsangeboten für blinde und sehbehinderte Menschen:

Vieles was via Internet oder auf CD-ROM veröffentlicht wird, ist für blinde und sehbehinderte Computernutzer nicht nutzbar. Häufig sind die grafische Gestaltung und die aufwendige Benutzungsoberfläche daran Schuld, dass Braillezeile oder Sprachausgabe versagen.

Die genannten Zahlen und Fakten sprechen für sich selbst. Sie belegen, wie hoch der Mangel an Literatur- und Informationsangeboten für Blinde und Sehbehinderte ist.

Aufgaben

Das Angebot am Zeitungskiosk, im Buchladen oder in der öffentlichen Bibliothek ist sehgeschädigten Menschen nicht zugänglich. Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) ist die sächsische Einrichtung, die traditionell, heute und in der Zukunft, das akute Informationsdefizit dieser Personengruppe mindert. Durch die Erfüllung folgender Aufgaben, leistet sie einen wesentlichen, wenn auch bei weitem nicht ausreichenden, Anteil bei der Literaturversorgung Blinder und Sehbehinderter:

Ziele

Die folgenden Projekte sind auf die Weiterentwicklung der DZB zu einem zeitgemäßen Medienzentrum für Blinde und Sehbehinderte ausgerichtet.

DIPAD - Digitales Produktions-, Archivierungs- und

Distributionssystem

Mit diesem als Kabinettsvorlage eingereichten Projekt wird die unbedingt notwendige finanzielle und technologische Grundlage geschaffen, die DZB zu einer Blindenbücherei des Medienzeitalters auszubauen. In einem auf 5 Jahre angelegten Projektrahmen werden die Komponenten und Verfahren eines digitalen Herstellungs-, Archivierungs- und Ausleihkonzeptes beschrieben.

DAISY - Digital Accessible Information System

Die Blindenbüchereien der Welt entwickeln unter dem Namen DAISY die internationalen Standards und Technologien für die neue Blindenbuchgeneration. Vorteile von DAISY-Büchern:

Im Herbst beginnt in der DZB für 25 Nutzer die Testausleihe von DAISY-Büchern. Aber die DAISY-Technologie ermöglicht es, nicht nur das gesprochene Wort sondern auch den Text eines Buches oder einer Zeitschrift komfortabel zu verarbeiten und in verschiedenen blindengerechten Medien anzubieten. Mehr dazu im Projekt RUDI.

LOUIS - Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice

Ein blinder Mitarbeiter der DZB berät und informiert sehgeschädigte Computeranwender zu Fragen bei der Nutzung moderner Informationssysteme wie Internet, CD-ROM oder Mobilfunk. Er unterstützt die Nutzer bei der Anwendung der neuen DAISY-Bücher und -Abspielgeräte.

MUSTER - Modellierungs- und Schneide-Technik zur effektiven Reliefherstellung

Seit Beginn diesen Jahres werden in der DZB erste Vorlagen für die Reliefherstellung am PC erarbeitet und mit moderner Schneidplott-Technik angefertigt. Die Finanzierung dieses Projektes war nur durch eine großartige Spendenaktion unserer Nutzer zu sichern.

Da-Capo - Wiederaufnahme der Produktion von Braillenoten in Deutschland

Mit Unterstützung der Selbsthilfeverbände beginnt die DZB wieder mit der Übertragung von Notenwerken in die Blindenschrift. Das beim BMA beantragte Projekt Da-Capo wird bei einer Laufzeit von drei Jahren technologische Verfahren zur effektiven Übertragung von Notenwerken in die Brailleschrift sowie ein Konzept zur dauerhaften Finanzierung solcher wichtigen Übertragungsleistungen erarbeiten.

RUDI - Recherchieren und Drucken interaktiv

Tradition und Innovation miteinander verbinden bedeutet, die Chancen und Herausforderungen moderner Technologien zu erkennen und zum Wohle aller umzusetzen. Dies heisst für die Blindenbüchereien der Zukunft, der Nutzer bestellt seine Literaturwünsche telefonisch, schriftlich oder via Internet und erhält zeitnah die nach seinen Bedürfnissen gestaltete Ausgabe elektronisch oder wahlweise als Braille-, Großdruck- oder Hörbuch.

RUDI als ein zukünftig zu etablierender Kundenservice bietet dem Nutzer "das Braillebuch auf Bestellung" und der Blindenbücherei technologische Verfahren diese Bücher kostengünstig und flexibel anzubieten. Die im neuen DAISY 3.0 Standard beschriebenen Konzepte bilden die technologische Grundlage für eine Realisierung dieses ehrgeizigen Traums.

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